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Moses Pelham Interview
Wir haben uns mit dem Kopf der Soul-Gruppe Glashaus und 3P-Label-Chef Moses Pelham unterhalten. Dabei ging es um den anstehenden Release von „Licht“, der zweiten Singleauskopplung von „NEU“, aber auch um Solo-Pläne, die überraschende Zusammenarbeit mit Bushido und seine Erwartungen und bisherigen Eindrücke des neusten Glashaus-Projekts.
Im Vorfeld der „Licht“-Veröffentlichung konnte man ja schon das sehr aufwendige Video bewundern. Wie zufrieden bist Du damit?
Moses: Sehr zufrieden. Man merkt dem Video sehr deutlich an, dass Leute daran gearbeitet haben, die auch wirklich Bock darauf hatten und weitaus mehr geleistet haben, als es sonst im Rahmen des Üblichen ist. Jeder Einzelne ist weit darüber hinaus gegangen, was seine eigentliche Aufgabe gewesen wäre. Wenn man sich das Video anschaut und mit dem Rahmen vergleicht, der eigentlich drin gewesen wäre, so ist das Ergebnis kompletter Wahnsinn. Schaut man sich an, was so ein Video eigentlich kosten würde, so wäre das in Deutschland, in diesem Rahmen, eigentlich nicht realisierbar. Das geht nur wenn Leute mitarbeiten, die weit über das hinausgehen, was ihr eigentliches oder normales Pensum ist. Das hat sich aber auch komplett durchgezogen, egal ob es die Leute in der Post-Produktion waren oder die am Set, wie zum Beispiel den Kameramann, den ich vorher noch gar nicht kannte, allerdings schon mit Katja Kuhl zusammengearbeitet hatte. Ich glaube im Making-of wird das deutlich, dass es eigentlich ein 24 Stunden Dreh war (lacht).
Lassen dann nicht irgendwann die Kräfte und auch die Konzentration nach?
Moses: Normalerweise werden nach 16 oder 18 Stunden manche Leute am Set ein wenig launisch (lacht) und sagen: „Schau mal, ihr habt mich 14 Stunden gebucht, jetzt sind wir schon bei 18“. Aber das gab es bei dem Dreh einfach überhaupt nicht und das ist es auch, was man dem Video anmerkt.
Hast Du die Leute mit Deinem Enthusiasmus angesteckt oder waren die schon vorher Feuer und Flamme für „Licht“?
Moses: Das kann ich Dir gar nicht sagen. Bei der Post-Produktion war es so, dass die es wegen des Tracks gemacht haben. Die wollten das Projekt unbedingt machen. Katja, mit der wir ja schon viele Videos gemacht haben, ist eigentlich immer fokussiert und der ist es auch egal, ob so ein Dreh 24 Stunden dauert. Aber die Menschen die man so dazu mietet, die ich ja teilweise gar nicht kannte, das war schon phänomenal. Das war so ein Energie-Ding, das kann gar nicht nur von mir kommen, sondern da müssen sich Menschen gemeinschaftlich für etwas begeistern. Zum Beispiel die Tänzerin, die hat eine Performance abgeliefert, da konnte man sich nur denken, wenn man am Set war: „Cool, das ich dabei sein darf.“ (lacht)
Mit „Licht“ habt Ihr ja auch wieder eine relativ clublastige zweite Singleauskopplung. War das ganze bewusst oder habt Ihr Euch da einfach von dem „NEU“ Sound inspirieren lassen?
Moses: Wir haben ja schon mal darüber gesprochen, wie es ist bei dem Album. Ich wollte einfach etwas haben, bei dem man sich ausleben kann, eine neue Spielwiese, um nicht auf so ausgetretenen Pfaden zu marschieren. Höchstleistungen kommen auch oft auf einem Terrain, das einem nicht so vertraut ist, weil da die Augen einfach noch mehr aufgerissen sind. Wir haben uns einfach um neue Experimente bemüht, was die Sache viel spannender macht. Dabei ist dann einfach der Sound von „Licht“ bei rüber gekommen, der mir persönlich unglaublich gut gefällt.
Ist „Licht“ auch der Song, der „NEU“ in seiner Gesamtheit am besten widerspiegelt?
Moses: Ja! Uns wäre es ja ein leichtes gewesen, einen typischen Song als zweite Single zu nehmen, wie zum Beispiel „Ich kann mich nicht bewegen“, aber das wollten wir nun wirklich auf keinen Fall. Ich muss dazu sagen, dass ich ein großer Fan von „Ich kann mich nicht bewegen“ bin, aber wir wollten schon die Dinge, die wir für neu halten, ein wenig länger in den Vordergrund stellen. Das ist zum einen das musikalische aber auch das damit einhergehende inhaltliche.
Kannst Du ein bisschen was zu den verschiedenen Mixen erzählen, die auf der Single drauf sein werden?
Moses: Auf jeden Fall, sehr gerne. Wir haben zum einen den Anthony-Rother-Remix, der für mich auch wirklich eine Erfahrung war, da ich da sehr eng mit Anthony zusammengearbeitet habe. Ich bin ohnehin ein großer Fan von dem Zeug, das Anthony macht, aber wenn es mit den eigenen Sachen zusammenkommt ist das natürlich nochmal eine ganze andere Geschichte. Das war sehr spannend, auch menschlich, für mich. Das hat mich am Ende dann aber auch so geflashed, dass ich gedacht habe, dass ich unbedingt nochmal darauf rappen muss (lacht). Ich glaube, ich habe mich eigentlich die letzten fünf Jahre wieder mehr zur Club Musik hinbewegt, aber wenn man dann mit jemandem rumhängt, der das den ganzen Tag macht, dann bekommst du nochmal ein anderes Verständnis davon. Das ging dann so weit, dass ich an einem Punkt war, an dem ich vorher noch nie war und sagte: „Alles klar, jetzt habe ich es verstanden.“ Ein richtiger Club-Mix will keine ganzen Strophen haben und unterwirft sich nicht der Struktur eines Liedes. So kam es dann zum Anthony Rother Dub.
Also eine ganz neue Erfahrung?
Moses: Das hatte ich das letzte Mal mit einem Rödelheim Hartreim Projekt Song, das ist aber schon etwa 15 Jahre her, und ich hatte es vergessen. Mit dieser Erfahrung muss ich jetzt aber auch sagen, dass ich Remixern in der Vergangenheit einfach nicht den Platz gelassen habe, der vielleicht nötig gewesen wäre. Die Arbeit mit Anthony Rother hat dann aber auch die Arbeit mit den anderen Remixern erleichtert, wie zum Beispiel Eric Chase oder Atty Mezcal, die dann auch Dubs machten. Lass mich aber noch was zu den anderen Mixen sagen. Wir haben da den Xenia-Beliayeva-Mix, den ich auch sehr schön finde, der sich allerdings wiederum an der Struktur unseres Liedes orientiert. Was aber wahrscheinlich daran liegt, dass Xenia selbst auch singt. Und es gibt noch den Jack-Daniel´s-Mix, der auch Grundlage des zweiten Videos zu „Licht“ ist, das im iTunes-Paket mit drin sein wird.
Ich habe gehört, dass auch ein Mix von Crada geplant war. Ist da was draus geworden?
Moses: Das ist auch ein Mix der nur auf der iTunes-Version mit drauf sein wird.
Wie viele verschiedene Versionen der „Licht“ Single wird es denn geben?
Moses: Zum einen gibt es die Two-Track-Version, was auch der einzige physische Tonträger ist. Da ist der neue Directors-Cut von „Licht“ drauf und „Bilder“. Dann gibt es eine Basis-Ausrüstung von neun Mixen, die bei allen Online-Plattformen erhältlich sind. Lediglich iTunes hat als Special die beiden Videos von „Licht“ und den Crada-Mix. Den Nachtschicht-Mix von uns gibt es übrigens auf www.imglashaus.de zum kostenlosen Download, genau wie Hörproben der meisten anderen Mixe.
Mit „Bilder“ ist auf der Two-Track-Version ja ein gutes Kontrastprogramm gegeben. Wann ist dazu die Entscheidung gefallen oder war das von Anfang an klar?
Moses: Ich glaube, was ein bisschen dazu beigetragen hat, war das erste Konzert, das wir im Rahmen von TV-Noir gegeben haben. Da haben wir drei oder vier Stücke gespielt und da war schon „Bilder“ dabei. Seit wir zusammen spielen, spielen wir auch „Bilder“. Es ist ein Stück, das bisher noch nicht veröffentlicht wurde, so dass da der Wunsch entstand, es mal unter die Leute zu bringen. Besonders nach dem TV-Noir-Ding, das von vielen Leuten oft angesehen wurde. Ich mag Live spielen total und mir hat es auch bei TV-Noir große Freude gemacht, aber die Version, die ich mir eigentlich vorgestellt hatte, würde ich dann doch auch gerne mal zeigen. Ausproduziert und richtig ausgearbeitet. Wenn die Leute dann immer fragen: „Was ist denn mit Zeug von Dir?“. Dann kann ich nur sagen: „Greift jetzt zu!“
Nervt es Dich gerade, wenn Leute nach Solo-Dingern von Dir fragen, weil Du gerade so bei Glashaus drin bist, oder ist es dann doch eher ein Kompliment?
Moses: Natürlich ist es ein Kompliment wenn Leute nach Solo-Tracks oder „Geteiltes Leid 3“ fragen, aber natürlich ist es auch so, dass wenn Leute immer gerade nach dem fragen, mit dem du gerade nicht beschäftigt bist, kann ich nur sagen: „Das ist doch kein Wunschkonzert! Ich habe drei Jahre an dieser Platte hier gearbeitet und während ich davon rede fängst du von Geteiltes Leid 3 an?“ (lacht) Ich sehe das Kompliment darin und ich freue mich auch, wenn Leute Interesse haben, aber das hat halt auch immer etwas von „Ich will jetzt das haben was gerade nicht da ist.“ Aber egal, Bilder ist ja nun da.
Ich kann mich noch daran erinnern, als wir vor ein paar Monaten von „NEU“ geredet haben, dass Du meintest, es würde ein „langer Ritt“ werden. Wie zufrieden bist Du momentan mit „NEU“ und der ganzen Situation?
Moses: Mit der Platte bin ich nach wie vor sehr, sehr glücklich. Und auch die junge Zusammenarbeit die wir drei haben, davon bin ich noch immer sehr begeistert. Womit ich nach wie vor nicht zufrieden bin und auch nicht sein kann bevor wir Gold sind, ist damit, wie wir diese Platte durchsetzen. Da liegt noch einiges vor uns. Ich kann einfach nicht mit einer Platte, die sich so anfühlt und auch welches Feedback sie von den Leuten bekommt, damit zufrieden sein, wo wir jetzt stehen. Das geht einfach nicht. Auch mit dem Hintergrund des Aufwands den wir damit betrieben habe: das Ding muss Top gehen und ich meine nicht so ein bisschen, sondern richtig Top. (lacht)
Mal weg von „NEU“ und „Licht“. Wie kam eigentlich die Zusammenarbeit mit Bushido zustande, die sicherlich nicht nur mich überrascht hat?
Moses: Ganz ehrlich, das war nichts, mit dem selbst ich in naher Zukunft gerechnet hätte (lacht). Es war so, dass sich die Leute aus dem Bushido-Camp bei uns gemeldet haben und nachfragten, ob wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. Ich war dann erst mal „Oh, echt?“ und musste kurz darüber nachdenken. Nachdem ich dann mit Bushido telefoniert hatte, war da sofort eine Vision und wir haben ein wenig herumexperimentiert. Die Zusammenarbeit war sehr professionell und auch von so einer Energie getragen, die alles sehr einfach gemacht hat. Wir waren uns auch sehr schnell einig, in welche Richtung das gehen soll. Diese Zusammenarbeit war nichts, was ich auf dem Deckel hatte, aber ich bin sehr froh, dass sie zustande gekommen ist.
Am 16. April kommt „Licht“. Was geht dann im Hause Pelham ab?
Moses: (lacht) Da ist schon ein gewisser Druck. Vor allem in Anbetracht dessen, wie viel Zeit wir mit dem Album und speziell auch mit der Single verbracht haben. Das ist ja nicht mehr in einem Rahmen, den man noch normal nennen würde. Da muss einfach was passieren. Ganz ehrlich, es wäre ja viel cooler wenn ich jetzt hier sitzen könnte und sagen würde „Alles kein Problem, ich habe ja meine Arbeit gemacht“, aber so ist es nicht. Ich habe meine Arbeit gemacht und jetzt muss etwas passieren.
Die letzten Worte gehören Dir.
Moses: Ich bin noch nicht bereit für letzte Worte (lacht).

http://rap.de/features/907
Der Mann hat deutsche HipHop Geschichte gescvhrieben. Dickes Interview.
Doh!